{"id":1678,"date":"2016-03-09T08:20:13","date_gmt":"2016-03-09T07:20:13","guid":{"rendered":"https:\/\/berufsschule-der-handwerkskammer-luebeck.de\/?p=1678"},"modified":"2016-11-11T11:33:28","modified_gmt":"2016-11-11T10:33:28","slug":"projekt-quase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berufsschule-der-handwerkskammer-luebeck.de\/index.php\/2016\/03\/09\/projekt-quase\/","title":{"rendered":"Projekt &#8222;Quase&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section admin_label=&#8220;section&#8220;][et_pb_row admin_label=&#8220;row&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Text&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220; use_border_color=&#8220;off&#8220; border_color=&#8220;#ffffff&#8220; border_style=&#8220;solid&#8220;]<\/p>\n<p>Bootsbauer bewahren maritimes Erbe<br \/>\nIm Herbst 2012 erreichte das Kollegium der Landesberufsschule f\u00fcr Bootsbauer ein Hilferuf aus Kiel: Das dortige Schifffahrtsmuseum suchte Fachleute um ein historisches Fischereifahrzeug zu vermessen. Dessen Rumpf ist der letzte seiner Art \u2013 wie benutzt um die Mitte des 19.Jh.-. Da er zu zerfallen droht, bat das Kieler Schifffahrtsmuseum die Bootsbauerschule darum, einen Riss von ihm abzunehmen, um zumindest dessen Linien f\u00fcr die Nachwelt zu bewahren. Es handelt sich um ein Fischereifahrzeug aus dem 19.Jh. aus der Kieler Region. Der Typ wird als Quase angegeben. Quasen sind Fahrzeuge mit einer B\u00fcnn, das ist ein von Wasser durchstr\u00f6mter Kasten im Innenraum des Rumpfes in dem gefangene Fische lebendig zu den M\u00e4rkten transportiert werden konnten. Der Rumpf ist ein klinkerbeplankter Spitzgatter. Ein Deck ist nicht mehr vorhanden.<br \/>\nWeil so eine T\u00e4tigkeit nicht in unseren Lernfeldkontext integrierbar ist, wurde beschlossen, das Projekt als F\u00f6rderprojekt an Wochenenden und nach Unterrichtsende durchzuf\u00fchren. Schnell fanden sich 8 Sch\u00fcler aus dem ersten Ausbildungsjahr dazu bereit, daran teilzunehmen.<br \/>\nIm April war es dann soweit: ein kalter Nordwind bl\u00e4st \u00fcber die Kieler Bucht und acht Auszubildende inspizieren den Rumpf. Dieser liegt geneigt an Land, um Besuchern zu erm\u00f6glichen in ihn hineinzusehen. In seinem langen Leben wurde das Fahrzeug mehrmals umgebaut. So wurde es von einem reinen Segelfahrzeug zu einem motorisierten Fischkutter umgebaut. Auch hatte sich der Rumpf bedingt durch die Art der Lagerung verformt.<\/p>\n<p>Es mussten wichtige Entscheidungen getroffen werden. Sollten die Ma\u00dfe von der Innen- oder Au\u00dfenseite des Rumpfes abgenommen werden? Wo lag urspr\u00fcnglich eigentlich die Schwimmwasserlinie? Und \u00fcberhaupt: Werden wir das Boot so zeichnen, wie wir es vorgefunden haben, oder in der Form die es urspr\u00fcnglich hatte?<br \/>\nSchnell kamen die Sch\u00fcler auf die Idee, zun\u00e4chst einen fiktiven Rahmen um das Boot zu bauen, der wichtige Anhaltspunkte f\u00fcr das Ausmessen liefert. Auch wurde ersichtlich, dass die Ma\u00dfe am effektivsten von der Rumpfinnenseite abzunehmen sind. Es wurden Schablonen angefertigt, die von innen bis an die Au\u00dfenhaut gelegt wurden, um im n\u00e4chsten Schritt auf einer Platte die Spantkontur zu Papier zu bringen. Die Kontur von Vor- und Achtersteven wurde entnommen, wie auch der Deckssprung. \u00dcber den Fortgang der Arbeiten schreibt der Probsteier Herold am 23. April 2013:<br \/>\n\u201eEs wehte am vergangenen Sonnabend, ein leichter aber kalter Wind mit Nieselregen \u00fcber die Wendtorfer Promenade und um den historischen Schiffsrumpf. Die Finger der angehenden Bootsbauer wurden beim Abmallen, dem Abmessen von Planken, Spanten, Steven und Sponung schnell klamm.<\/p>\n<p>\u2026 Berufsschullehrer Matthias Krueger hatte seine Sch\u00fcler verschiedenen Arbeitsgruppen zugeteilt, beispielsweise f\u00fcr den Vor- und Achtersteven und den Spantenriss.<br \/>\nDer ungef\u00e4hr um 30\u00b0 nach Steuerbord geneigte Rumpf auf dem Promenadenplatz war f\u00fcr alle eine besondere Herausforderung. Schlie\u00dflich musste jedes abgenommene Ma\u00df um diese Neigung korrigiert werden, bevor es auf dem Schn\u00fcrboden, einer gro\u00dfen Holzplatte, eins-zu-eins aufgezeichnet werden konnte.<br \/>\nUnmittelbar neben dem Quasenrumpf hatten die Mitglieder des Museumshafens ein Zelt der Arbeiterwohlfahrt aufgeschlagen. Dort zeichneten die Berufssch\u00fcler gesch\u00fctzt vor dem Nieselregen ihre Messpunkte auf den Schn\u00fcrboden.&#8220;<\/p>\n<p>An einem Wochenende wurden alle erforderlichen Ma\u00dfe entnommen und die Rumpflinien aufgezeichnet, bevor mit den n\u00e4chsten Schritten in der Berufsschule fortgefahren werden konnte. Dies geschah durch die Kooperation mit dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum und der finanziellen Unterst\u00fctzung aus dem Europ\u00e4ischen Fischereifonds (EFF Achse 4) sowie durch tatkr\u00e4ftige Hilfe durch den Museumshafen Probstei bei der Verpflegung und Unterkunft der Auszubildenden.<\/p>\n<p>Ausgehend von den entnommenen Rumpfma\u00dfen wurde in der Schule in F\u00f6rderstunden nach Unterrichtsende ein Linienriss im Ma\u00dfstab 1:5 angefertigt.<br \/>\nDie am Originalrumpf entnommenen Ma\u00dfe wurden zudem unter Anleitung von Christian Garleff in das Computerprogramm \u201eMultisurf\u201c eingegeben und hieraus der endg\u00fcltige Linienriss entwickelt. Dieser wurde sorgf\u00e4ltig ausgestrakt, wobei sich zeigte, dass der in Wendtorf stehende alte Bootsk\u00f6rper sehr sogf\u00e4ltig vermessen wurde, weil die Linien nur noch im Bereich bis 20 mm zu korrigieren waren. Handelte es sich um Messfehler? Wohl kaum, eher hatte die Quase schon vor Jahren damit begonnen, ihre Form zu verlieren.<br \/>\nHier wurde allen Beteiligten deutlich, wie gro\u00df sie Bedeutung dieses Projektes ist, denn man wei\u00df nicht, wie lange die Quase dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum noch erhalten bleibt. Und so wurde auch in den letzten Arbeitsschritt viel Sorgfalt gesteckt: Der grafischen Aufarbeitung. Schlie\u00dflich wurde der Linienriss ausgedruckt und von Sch\u00fclern der Landesberufsschule f\u00fcr Glaser eingerahmt.<\/p>\n<p>Am 16.11. kam dann eine Delegation aus Kiel in die Berufsschule der Handwerkskammer L\u00fcbeck, um den fertigen Linienriss in Empfang zu nehmen. Dr. Doris Tillmann, Leiterin des Kieler Schifffahrtsmuseum, zeigte sich hocherfreut: \u201eMit dem Vermessen und dem Anfertigen eines Linienrisses durch den au\u00dferschulischen Workshop der L\u00fcbecker Berufsschule f\u00fcr Bootsbau wird diese spezielle und typische Fischereifahrzeugkonstruktion nun erstmals dokumentiert und damit die notwendige fischereigeschichtliche Sachkulturforschung bez\u00fcglich der Bauweise umgesetzt. Aber wir wecken damit auch das Interesse an Bootskonstruktionen der Fischerei bei den Auszubildenden.\u201c<br \/>\nDie Auszubildenden waren stolz auf die W\u00fcrdigung ihrer Arbeit, zudem hatten sie viel bei diesem Projekt gelernt und maritimes Erbe f\u00fcr die Nachwelt bewahrt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery admin_label=&#8220;Galerie&#8220; gallery_ids=&#8220;1679,1680,1681,1682,1683,1684,1685,1686,1687&#8243; fullwidth=&#8220;off&#8220; show_title_and_caption=&#8220;off&#8220; show_pagination=&#8220;on&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; auto=&#8220;off&#8220; hover_overlay_color=&#8220;rgba(255,255,255,0.9)&#8220; caption_all_caps=&#8220;off&#8220; use_border_color=&#8220;off&#8220; border_color=&#8220;#ffffff&#8220; border_style=&#8220;solid&#8220; \/][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bootsbauer bewahren maritimes Erbe Im Herbst 2012 erreichte das Kollegium der Landesberufsschule f\u00fcr Bootsbauer ein Hilferuf aus Kiel: Das dortige Schifffahrtsmuseum suchte Fachleute um ein historisches Fischereifahrzeug zu vermessen. 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